Barbara Kramer

Diplom-Psychologin
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Analoge und digitale Kommunikation aus Sicht der Psychologie

Nicht nur in der Welt der Technik sind die Begriffe analoge und digitale Kommunikation zuhause, auch in der Psychologie werden diese Begriffe verwendet, um Aspekte der zwischenmenschlichen Kommunikation zu beschreiben. Geben wir zum Beispiel einem Objekt oder einem Sachverhalt einen Namen, so kommunizieren wir digital, weil nur eine rein willkürliche Entsprechung zwischen einer bestimmten Information und dem dazugehörigen Gegenstand besteht. Namen sind also Worte, deren Beziehung zu dem eigentlichen Objekt eine willkürlich festgelegte ist. Es gibt keinen Grund, warum die fünf Buchstaben k,a,t,z, und e in dieser Reihenfolge ein bestimmtes Tier benennen sollen. Es besteht lediglich ein semantisches Übereinkommen für diese Beziehung zwischen Wort und Objekt. Bei einer Zeichnung ist dies anders. Sie hat eine Ähnlichkeit, eine Analogie zu dem Objekt, welches sie abbildet und für das sie steht. Dies wird als analoge Kommunikation bezeichnet.

Der Unterschied zwischen digitaler und analoger Kommunikation wird noch deutlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass das bloße Hören einer Sprache z.B. im Radio nicht zum Verstehen dieser Sprache führen wird. Beobachtet man jedoch die Zeichensprache oder die Ausdrucksgestik von Menschen, die miteinander kommunizieren, so lassen sich leicht, oft recht weit reichende Informationen gewinnen, selbst wenn diese Personen einem anderen Kulturkreis angehören.

Die meisten menschlichen Errungenschaften wären ohne die Entwicklung digitaler Kommunikation undenkbar. Sie wird vor allem genutzt um Wissen weiterzugeben, von Person zu Person und von einer Generation zur nächsten. Hier kommunizieren Menschen also auf der Inhaltsebene. Die Weitergabe von Informationen (zum Beispiel Arbeitsprozessbeschreibungen) stehen im Vordergrund. Analoge Kommunikation hingegen findet hauptsächlich dann statt, wenn es um die Beziehungsebene zwischen Menschen geht. In diesem Falle geht es nicht in erster Linie um die Bedeutung der Worte, sondern vielmehr, wie sie gesagt werden (Sprache, Tonfall) und von welchem Körperausdruck sowie welcher Mimik und Gestik sie begleitet werden. Daraus lässt sich interpretieren, wie die Menschen zueinander stehen und was sie voneinander halten. Jede zwischenmenschliche Kommunikation hat also einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei der Inhaltsaspekt die 'Daten' liefert und der Beziehungsaspekt zeigt, wie diese Daten aufzufassen sind.

Digitales Mitteilungsmaterial ist komplex und abstrakt, hat aber im Gegensatz zur analogen Kommunikation eine logische Syntax. Analoge Kommunikation ist immer mehrdeutig. Es gibt Tränen der Trauer und Tränen der Freude; ein Lächeln kann Sympathie oder Verachtung ausdrücken und Zurückhaltung kann als Schüchternheit oder Desinteresse interpretiert werden. Die Bedeutung muss also immer vom Empfänger mehr oder weniger intuitiv beigesteuert werden, während sie in der digitalen Kommunikation direkter enthalten ist.

In seinem Roman Das Tor der glücklichen Sperlinge beschreibt Daniel Varé, wie der Romanheld, ein junger Europäer, im Peking der Zwischenkriegszeit bei einem berühmten Professor Unterricht in Mandarin nimmt und einen aus drei Schriftzeichen bestehenden Satz übersetzten soll. Er erkennt die Bedeutung der drei Zeichen richtig als 'Rundung', 'sitzen' und 'Wasser' und kombiniert diese drei Begriffe schließlich zu der Aussage: ' Jemand nimmt ein Sitzbad' - sehr zur Entrüstung des Professors, denn der Satz ist eine besonders poetische Beschreibung eines Sonnenunterganges am Meer. Wie der chinesischen Schrift, so fehlen auch dem analogen Kommunikationsmaterial viele der Verbindungselemente, auf die sich die Syntax der digitalen Sprache aufbaut. Diese Elemente müssen also beim Übersetzten analoger Mitteilungen in die digitale Sprache vom Übersetzer beigesteuert werden. Jede Übersetzung vom Digitalen ins Analoge bringt einen wesentlichen Verlust von Informationen mit sich. Der umgekehrte Prozess ist nicht minder schwierig, da jede sprachliche (also digitale) Auseinandersetzung über eine menschliche Beziehung eine Digitalisierung rein analoger Phänomene erfordert. Für die menschliche Kommunikation bedeutet dies, dass wir, egal ob in der Rolle als Sender oder Empfänger, ständig diese Übersetzungsarbeit leisten, meist ohne uns darüber bewusst zu sein. Diese Übersetzungsarbeit ist eine sprudelnde Quelle für Störungen und Missverständnisse in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Aber alleine das Wissen um diese Zusammenhänge ist schon der erste Schritt, um die ‚Fallgruben’ der zwischenmenschlichen Kommunikation rechtzeitig zu entdecken und nicht blind hineinzugeraten.

© Dipl. Psych. Barbara Kramer
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Analoge und Digitale Kommunikation


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